»Was er in Neue Leben expliziert, ausgemalt und kommentiert hat, ist jetzt umgewandelt in einen volatilen Stimmenchor«
Hubert Winkels, Die Zeit
»Wie macht Ingo Schulze das, der mit seinem mächtigen Wenderoman Neue Leben schon ein groß gedachtes und konstruiertes Wiedervereinigungsepos vorgelegt hat? Was er in Neue Leben expliziert, ausgemalt und kommentiert hat, ist jetzt umgewandelt in einen volatilen Stimmenchor, der alle »Fakten« in Reden auflöst über das Naheliegende, Alltägliche, Greifbare. Über Gefühl und Stimmung des Sprechenden verraten die Reden viel, über das Ereignis aber nur Indirektes: Geschichte, verkappt in einem Reigen erotisch entzündeter Sprechakte. Das ist dem Theater nicht fern. Und selbst die biblische Mythologie spielt mit: Denn die Auslegungsvarianten sind unerschöpflich, und jeder darf sich Adam und Eva und die apokryphe Lilith (im Roman die dralle Lilly) so zurechtschneidern, wie es ihm mit den anderen Variablen des Romans elegant zusammenzupassen scheint. Er darf sogar die böse flüsternde Schlange finden: geschrumpft zur lieben Elvira, Elfi genannt, der Schildkröte, die den Roman von Anfang bis Ende fressend begleitet, die Ewige eben, schon phonetisch der Eva/Evelyn näher als Adam, der in Wirklichkeit Lutz Frenzel heißt.« ...mehr
»Die Zukunft hat begonnen am Ende dieses Romans, in dem so viel mehr steckt, als seine leichte Form zunächst vermuten lässt.«
Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel
»Ingo Schulze ist ja ein Meister der ausgefeilten, kunstfertigen Schmucklosigkeit, das hat er zuletzt in seinem dickleibigen Wende- und Briefroman Neue Leben und noch schöner und plastischer in seiner Erzählsammlung Handy bewiesen.
Mit Adam und Evelyn, der Geschichte eines Liebespärchens aus der Zwischenzeit, als der Sozialismus schwer ins Rutschen geriet, aber noch keiner wusste, wann das Ende der Rutsche erreicht sein würde, übertrifft er sich nun. Schulze treibt in diesem Roman die Handlung allein durch die schnelle Szenenabfolge und viele Ortswechsel voran, vor allem aber lässt er seine Figuren reden, reden und nochmals reden.
[…] Die Zukunft hat begonnen am Ende dieses Romans, in dem so viel mehr steckt, als seine leichte Form zunächst vermuten lässt.« ...mehr
»Schulze hat Figuren geschaffen, deren Geradlinigkeit und Larmoyanzferne gefangen nehmen.«
Oliver Jungen, FAZ
»Formal besteht das Buch zum größten Teil aus Dialogsequenzen, und Schulze ist ein Meister dieser Form: Leicht kommen die Gespräche daher, stilsicher und lebensnah. Das Gesprächs-Ping-Pong ist immer dann am besten, wenn es die großen Themen streift, ohne sie zu diskutieren. […] Schulze hat aus dem alten Lehm höchst liebenswerte (Ost-) Figuren erschaffen, deren Geradlinigkeit und Larmoyanzferne gefangen nehmen.« ...mehr
»Adam und Evelyn ist ein makelloser Roman«
Ijoma Mangold, Süddeutsche Zeitung
»Ingo Schulze, dieser große Erzähler des Mentalitätswandels nach 1989, berichtet in seinem neuen Roman Adam und Evelyn auch von diesen Versuchen, das eigene Wertesystem intakt zu halten. Und obwohl man diese ausgesprochen süffig durcherzählte Geschichte ziemlich schnell gelesen hat, entfaltet sie eine Fülle von Themen und Motiven. […] Bei Adam und Evelyn geht jede erzählerische Rechnung immer auf. Bei Neue Leben blieb unter dem Bruch immer ein krummer Rest. Adam und Evelyn ist ein makelloser Roman. «
»In seinem neuen Roman ist Schulze zeitlich einen Schritt zurück und formal so weit gegangen wie nie zuvor.«
Christoph Schröder, taz
»Ob er das gerne hören mag oder nicht – Ingo Schulze ist der beharrlichste literarische Begleiter der Ostdeutschen. Und er hat dabei nicht wenig geleistet. Gerade sein Episodenroman Simple Storys, das wohl beste Buch, das er bislang geschrieben hat, lieferte acht Jahre nach dem formalen Akt der Wiedervereinigung ein ungeheuer dichtes Bild dessen, was sich an Hoffnungen, Ängsten, Verlusten und Tragödien in der Mentalität der ehemaligen DDR-Bürger angesammelt hatte. Die kunstvolle Kunstlosigkeit, die Orientierung an der mündlichen Form, dem alltäglichen Sprechen, das war und ist Schulzes viel beschworenes ästhetisches Programm, das einmal mehr und einmal weniger aufging. ...mehr
»Ein wunderbar lesbarer und zugleich literarisch hoch komplexer Roman über die Wiedervereinigung«
Uwe Wittstock, Die Welt
»Mit Adam und Evelyn hat Ingo Schulze nach Neue Leben (2005) einen zweiten wunderbar lesbaren und zugleich literarisch hoch komplexen Roman über die Wiedervereinigung geschrieben. In Neue Leben war es der Teufel selbst in Gestalt eines Unternehmensberaters, der den vom Mauerfall überraschten Romanheld dazu verlockt, mit den neuen, vom Westen gebotenen Lebenschancen sein Glück zu machen oder auch sich selbst zu verlieren. Das Titelpärchen von Adam und Evelyn zitiert nun ebenfalls urmythische Gestalten, und wieder liefert Schulze keine vorschnellen Antworten, ob seine Figuren richtig oder falsch handeln, sondern versucht die Erfahrung ihrer umfassenden, bodenlosen Verunsicherung literarisch einzufangen und für den Leser zu konservieren.« ...mehr
»Schulze lässt seitenweise reden – weil eben in jenem Spätsommer '89 so unendlich viel und unendlich geredet wurde.«
Karin Großmann, Sächsische Zeitung
»Überzeugend verbindet Ingo Schulze eine Liebesgeschichte mit einem entscheidenden Moment deutscher Geschichte. Er wollte eigene Erfahrung an Menschheitserfahrung messen, sagte er in einem Interview. Kein kleiner Anspruch. […] Ingo Schulze zieht seiner Geschichte einen doppelten biblischen Boden ein – doch sie träft auch so. Mit leichter Hand verwandelt der aus Dresden stammende Autor die Wirklichkeit in ein Kunstwerk. Es lebt vor allem von Dialogen. Schulze lässt seitenweise reden – weil eben in jenem Spätsommer '89 so unendlich viel und unendlich geredet wurde. Überall, nicht nur am Balaton.“
»Schnörkellos lakonisch, wie es seine Art ist...«
Gisela Hoyer, Dresdner Neueste Nachrichten
»Schnörkellos lakonisch, wie es seine Art ist, schildert Ingo Schulze da, wie Leute, in den Strudel historischer Entwicklung gerissen, überleben – zerzaust und mitgenommen, doch ein wenig reifer geworden oder auch nur weniger unreif. […] Das Wesentliche erfährt Schulzes Leser auch diesmal zwischen den Zeilen, in jenem Subtext, der von Leere handelt, die nahezu bruchlos wiederkehrt, von Einsamkeit, auch nach der vorgeblichen Versöhnung, von Fremdheit, in einem Leben, das unter den anderen Bedingungen nur anders angepasst und unemanzipiert stattfindet.«
»Zum Glück lässt Schulze die Protagonisten sprechen, in ihrem Mund findet man die Moral der Geschichte.«
Brigitte Schwens-Harrat, Die Presse
»Die Figuren, ihre Gespräche und die spannungsvollen Beziehungen der Figuren zueinander – das sind die Stärken dieses unterhaltsamen Romans, der gar nicht genauer auf die Tagespolitik sehen will, denn das tun auch seine Protagonisten nicht.[...] Doch zum Glück lässt Schulze die Protagonisten sprechen, in ihrem Mund findet man die Moral der Geschichte, wenn man denn eine finden will, und weil es viele Münder gibt, gibt es sie nur im Plural. Von dieser Konstruktion lebt der Roman. Sucht man eine Klammer für all das, dann könnte man vielleicht in Adams gar nicht so simpler Erkenntnis fündig werden: „Es gibt ja nicht nur ein Entweder-oder.Vielstimmig erzählt der Roman die Fragen, das Suchen und Fehlen seiner Protagonisten. Mal haben die Figuren ihr Leben in der Hand, dann wieder brauchen sie dringend jemanden, der ihnen aus der Klemme hilft. Ist Paradies dort, wo es ein besseres Leben gibt? Und was heißt überhaupt: besseres Leben? Und welcher Weg ist der richtige? Und kann man überhaupt gehen, ohne irgendwie sündig zu werden?« ...mehr
»Ein virtuoses Spiel mit Zitaten, eine Tragikomödie aus Ost und West, aus Paradies und Sünde.«
Paul Jandl, NZZ
»Adam und Evelyn ist ein virtuoses Spiel mit Zitaten, eine Tragikomödie aus Ost und West, aus Paradies und Sünde. Wenn Ingo Schulze mit dem großen Stoff von Adam und Eva spielt, dann misst er ihn bald kalauernd, bald mit vollem Ernst an seinen Figuren und an ihrer Gegenwart. [...] Adam und Evelyn ist ein ins Intellektuelle gehobener Unterhaltungsroman, der die Frage, was das Paradies ist, am Fallbeispiel demonstriert. [...] Wenn man den politischen Kern von Ingo Schulzes Roman suchen will, dann wird man ihn hier finden. Erst in der Konkurrenz zwischen Ideologie und schönem Leben wird der Sündenfall wahr. Ein Autor der großen politischen Conclusio ist Ingo Schulze in Adam und Evelyn nicht. Die Frage, was es denn bedeutet, dass die Ereignisse so gekommen sind, will er in seinem Roman nicht selbst beantworten. Deshalb lässt er seine Figuren reden. Er erfindet Zwiegespräche, deren seitenlanges Stakkato die subtile Psychologie der Zeit besser offenbart, als es jedes auktoriale Erzählen könnte.« ... mehr